Mit ‘Social Web’ getaggte Artikel

Facebook-Verbot: ein hilfloser Versuch

Montag, 25. Oktober 2010

Porsche ist also nicht das einzige Unternehmen, das versucht, Mitarbeitern den Zugang zum Social Web zu verbieten. 

Dax-Konzerne sperren Zugang zu facebook,

titelt die Wirtschaftswoche.  Aus Angst vor Wirtschaftsspionage. Der facebook-Porsche-Fall und das Verhalten anderer großer Unternehmen ist ein Beispiel von Hilflosigkeit und ein Zeichen von sehr wenig Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter.  Übrigens ebenso wie fingierte Kundenmeinungen im Web ein Indiz dafür sind, dass kein Vertrauen in die eigenen Produkte besteht. Die Grenzen zwischen privat und beruflich sind fließend geworden. Das Sicherheitsrisiko liegt – zumindest zum Teil – bei der Unternehmensführung. Denn wie loyal Mitarbeiter sind, hängt sehr stark von ihrer Zufriedenheit ab.

Sicherheitsbedenken sind oft nicht die einzige Motivation für rigide Verbote. Firmenchefs befürchten auch allzu oft, Mitarbeiter könnten Arbeitszeit vertrödeln. Schwarze Schafe gibt es überall, aber sollten Mitarbeiter wirklich viel Arbeitszeit zu vertrödeln haben, stellt sich die Frage, ob es in dem Unternehmen nicht an guter Organisation mangelt oder an Motivation. Und irgendwann müsste es doch auffallen, wenn jemand seinen Job schlecht macht.

Natürlich ist es unumstritten, dass mit dem Social Web auch Risiken verbunden sind. Alles hat zwei Seiten. Aber in jedem Fall ist Aufklärung besser als Verbote. Ein paar vernünftige Regeln in einer Corporate Governance festgelegt, sind sicher hilfreich für das Verhalten im Social Web. Und Geheimhaltungsklauseln für sensible Informationen oder Complinance-Regeln lassen sich die Großen ohnehin unterschreiben.

Die Reaktion dieser Unternehmen erinnert mich ein bisschen daran, dass es vor langer Zeit Firmenschefs gegeben haben soll, die der Meinung waren, es bräuchte nicht in jedem Büro ein Telefon zu stehen. Auch dahinter steckte die Angst, es könnte zuviel Zeit mit privaten Gesprächen vertan werden. Manches braucht ein wenig Zeit, um überall akzeptiert zu werden.

Übrigens: bei mir persönlich hat besonders das mobile Internet dazu geführt, dass ich mehr Zeit in meinen Job investiere, freiwillig, weil es mir Spaß macht … wenn ich nämlich auf dem Weg zur Arbeit schnell einen Tweet absetze oder schon mal etwas blogge.

… noch mehr Regeln – ein hilfloser Versuch

Freitag, 27. August 2010

Mit neuen Richtlinien für PR-Profis will der DRPR das Verhalten in digitalen Medien reglementieren.

Der Deutsche Rat für Public Relations hält es daher für erforderlich, die bestehenden Richtlinien und Kodizes um eine spezifische Richtlinie zur PR in digitalen Medien und Netzwerken zu ergänzen.

Unternehmen und Organisationen sollen ihr Online-Verhalten im Rahmen ihrer Corporate Governance schriftlich definieren und diese Verhaltensregeln veröffentlichen.

Ob das wirklich sinnvoll ist? Im Prinzip gelten im Netz die Regeln, die bereits für Print existieren. Gekaufte Redaktion ist unerwünscht und wird zu Recht gerügt. Aber das wissen wir durch die geltenden Richtlinien bereits. Das Argument, der Leser können nicht unterscheiden, wer sich im Auftrag (sprich: bezahlt) äußert und wer als Privatperson seine Meinung kund tut, lässt sich genauso für andere Bereiche anwenden. Es ist immer wichtig, die Quellen der Informationen zu kennen und zu bewerten. Ist ja schließlich auch ein Unterschied, ob ich ein Boulevardblatt oder die Wirtschaftspresse zu meiner Meinungsbildung nutze. Brauchen wir für das Internet nun wirklich neue Regeln?

Hinzu kommt, dass die Trennung zwischen privat und beruflich im Social Web nicht immer ganz einfach ist. Menschen äußern sich ausgesprochen viel privat im Social Web. Gespräche finden heute (zusätzlich) im Netz statt. Ich glaube kaum, dass man Menschen per Corporate Governance-Regeln verbieten kann, sich privat zu “ihrem” Unternehmen zu äußern. Ich kann die Erwartungshaltung von Unternehmen verstehen, dass zumindest die Menschen, die sie bezahlen, gemäß ihres Unternehmensleitbildes, ihrer Unternehmenskultur kommunizieren. Eine Verpflichtung, daraus Regeln (Corporate Governance) abzuleiten und veröffentlichen zu müssen, scheint mir doch überzogen und wirkt hilflos. Die meisten Unternehmen, die solche Richtlinien haben und die eine durchaus hilfreiche Orientierung darstellen können, stellen sie ohnehin freiwillig ins Netz.

Ein schönes Beispiel dafür hat Klaus Eck in seinem PR Blog gezeigt. Otto gibt seinen Mitarbeitern mit seinen Social Media Empfehlungen hilfreiche Tipps statt Anweisungen: 

 

Als Mitarbeiter/in haben Sie das Recht, sich privat und auch öffentlich über das Unternehmen zu äußern - positiv wie negativ. Wenn Sie dies tun, sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse und aus Respekt gegenüber der Community möglichst deutlich machen, dass Sie nur aus Ihrer persönlichen Sicht schreiben.  

 

Und was ist eigentlich mit den Millionen von Fans, die auf Produkt- oder Unternehmens-Facebookseiten “I like” anklicken und damit die Chance haben, eine Produktprobe o.ä. zu erhalten. Machen die dann PR für das Produkt? Ist das Meinungsmache?

Viel gravierender finde ich es , wenn sich beispielsweise echte Meinungsmacher mit öffentlichem Auftrag zu Vorgängen äußern, die sie offensichtlich selbst noch nicht verstanden haben. Gemeint ist die Diskussion um Google Streetview, in die sich Politiker einschalten. Das ist Meinungsmache und das Argument des Persönlichkeitsschutzes führt an der eigentlich zu führenden Diskussion, nämlich der über die Marktmacht eines Unternehmens, deutlich vorbei.

 

 

Social Media – Kulturrevolution

Mittwoch, 11. August 2010

Soziale Netzwerke – nichts geht mehr ohne. Ein Medienhype. Dienstleister zu Social Media Monitoring, ehemals bekannt als Web-Monitoring, sprießen aus dem Boden. Einladungen zu Veranstaltungen zu facebook und Co. stapeln sich auf meinem Schreibtisch. Kaum eine Fachzeitschrift, in der das Thema nicht rauf und runter gespielt wird. Und was macht der Handel? Er steht in den Startlöchern! Immernoch! Natürlich nicht alle, es gibt auch vereinzelte gute Beispiele, sicher. Aber sie sind immer noch vereinzelt. Die meisten basteln noch an der Theorie dahinter. Überlegen sich, in welchen Bereich sie das in ihrem Unternehmen ansiedeln sollen (Marketing, PR, HR, IT?), obwohl das dem Kunden völlig egal ist. Sie denken über Richtlinien zum Verhalten im Social Web (Corporate Governance) nach und … hinken der neuen Art zu leben, zu denken und zu fühlen hinterher.

Sicher, die Auswirkungen der neuen Social Media Generation und der neuen Kultur sind groß. Hierachien in Unternehmen bröckeln, Kontrolle, die es ohnehin nur vermeintlich gab, verliert sich, Strategien zur Kundenansprache werden womöglich unbrauchbar. Und das nur, weil manche Menschen sich gern im Web austauschen? Falsch! Vielmehr tauscht sich der Mensch an sich gern aus. Wir sind nämlich soziale Wesen. Das waren wir schon immer. Und mit dem Social Web haben wir nun ganz unkompliziert die Möglichkeit, uns nahezu ständig auszutauschen – über Belangloses oder über Wichtiges, ganz egal. Es geht um Beziehungen, um soziale Kontakte. Es wird also wieder menschlich. Ganz einfach. Plumpe Werbebotschaften, die kommen im Social Web nicht gut an. Deshalb meinte Prof. Skibicki auch kürzlich, die Marketing- und PR-Experten sollten umschulen: Soziologen seien jetzt gefragt.

Es erübrigt sich also die Frage, ob man sich als Unternehmen oder Vertreter desselben auch im Web engagieren muss. Muss man natürlich nicht, wär aber besser. Wenn sich meine Kunden dort tummeln, und das tun sie sicher, dann sollte ich auch da sein. Und ich sollte sie ansprechen, eine Beziehung aufbauen. Wie im wirklichen Leben.

Soziale Kontakte ist das Zauberwort. Wir haben alle Freunde, enge und nicht so enge. Mit denen habe ich in unterschiedlicher Weise zu tun. Manche grüße ich nur freundlich, mit anderen habe ich mir mehr zu sagen. Ganz wie im Web. Übrigens gerade für die schwachen Bindungen eignen sich soziale Netzwerke, wie Thomas Knüwer in seinem Blog beschreibt. (Ich glaube übrigens das geht zurück auf eine Theorie (The strength of weak ties) aus der Soziologie von Mark Granovetter .) Diese lockeren Beziehungen könnten wir ohne Social Media nur schwerlich aufrecht erhalten. Wurfsendungen oder Pressemitteilungen sind dafür jedenfalls nicht ideal.