Mit ‘Social Networks’ getaggte Artikel

Kostbare Netze

Freitag, 07. Januar 2011

Über den sozialen Wert sozialer Netzwerke lässt sich bekanntlich streiten, über den monetären Wert erst recht: Sage und schreibe 50 Milliarden Dollar soll Facebook wert sein, nachdem dort u.a. eine US-Großbank eingestiegen ist. Wie der Kölner Stadtanzeiger berichtet, entspräche der Marktwert des Unternehmens damit mindestens dem 25-fachen des Umsatzes.

Dass nach dem Crash des Neuen Marktes vor einigen Jahren Internetfirmen wieder derart in die Höhe schnellen können, zeigt, dass der Hype um soziale Netzwerke weitreichende Folgen hat. Wohin das letztendlich führt, mag man als Laie kaum beurteilen. Ist es wieder nur eine Blase, die bald platzt? Oder füllt sich der ”virtuelle” Wert demnächst auch mit Substanz?

Auf jeden Fall unterstreicht der extrem hohe monetäre Wert die Relevanz sozialer Netzwerke in der modernen Welt. Uns interessiert dennoch vor allem die soziale Funktion, weshalb wir im EHI unser Engagement im Bereich ”Social Media”  2011 intensivieren und ausbauen werden. In diesem Sinne: Happy New Year!

Facebook-Verbot: ein hilfloser Versuch

Montag, 25. Oktober 2010

Porsche ist also nicht das einzige Unternehmen, das versucht, Mitarbeitern den Zugang zum Social Web zu verbieten. 

Dax-Konzerne sperren Zugang zu facebook,

titelt die Wirtschaftswoche.  Aus Angst vor Wirtschaftsspionage. Der facebook-Porsche-Fall und das Verhalten anderer großer Unternehmen ist ein Beispiel von Hilflosigkeit und ein Zeichen von sehr wenig Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter.  Übrigens ebenso wie fingierte Kundenmeinungen im Web ein Indiz dafür sind, dass kein Vertrauen in die eigenen Produkte besteht. Die Grenzen zwischen privat und beruflich sind fließend geworden. Das Sicherheitsrisiko liegt – zumindest zum Teil – bei der Unternehmensführung. Denn wie loyal Mitarbeiter sind, hängt sehr stark von ihrer Zufriedenheit ab.

Sicherheitsbedenken sind oft nicht die einzige Motivation für rigide Verbote. Firmenchefs befürchten auch allzu oft, Mitarbeiter könnten Arbeitszeit vertrödeln. Schwarze Schafe gibt es überall, aber sollten Mitarbeiter wirklich viel Arbeitszeit zu vertrödeln haben, stellt sich die Frage, ob es in dem Unternehmen nicht an guter Organisation mangelt oder an Motivation. Und irgendwann müsste es doch auffallen, wenn jemand seinen Job schlecht macht.

Natürlich ist es unumstritten, dass mit dem Social Web auch Risiken verbunden sind. Alles hat zwei Seiten. Aber in jedem Fall ist Aufklärung besser als Verbote. Ein paar vernünftige Regeln in einer Corporate Governance festgelegt, sind sicher hilfreich für das Verhalten im Social Web. Und Geheimhaltungsklauseln für sensible Informationen oder Complinance-Regeln lassen sich die Großen ohnehin unterschreiben.

Die Reaktion dieser Unternehmen erinnert mich ein bisschen daran, dass es vor langer Zeit Firmenschefs gegeben haben soll, die der Meinung waren, es bräuchte nicht in jedem Büro ein Telefon zu stehen. Auch dahinter steckte die Angst, es könnte zuviel Zeit mit privaten Gesprächen vertan werden. Manches braucht ein wenig Zeit, um überall akzeptiert zu werden.

Übrigens: bei mir persönlich hat besonders das mobile Internet dazu geführt, dass ich mehr Zeit in meinen Job investiere, freiwillig, weil es mir Spaß macht … wenn ich nämlich auf dem Weg zur Arbeit schnell einen Tweet absetze oder schon mal etwas blogge.

Schöner Schein

Donnerstag, 16. September 2010

Ist Schein doch wichtiger als Sein? Zumindest im Bereich Marken ist das offensichtlich der Fall: Prof. Dr. Peter Kenning (Zeppelin Universität Friedrichshafen) stellte im Rahmen der EHI Retail Design Konferenz Forschungsergebnisse zum Thema Consumer Neuroscience  (neudeutsch: Neuromarketing) vor, die dies eindeutig belegen. So “erleichtern” Marken Kaufentscheidungen, da sie Hirnregionen, die für rationale Abwägungen zuständig sind, entlasten und stattdessen auf die Hirnstrukturen zurückgreifen, die - vereinfacht gesagt - den Emotionen zuzurechnen sind. Noch einfacher gesagt: Marken ermöglichen uns schnelle Entscheidungen ohne großes Nachdenken.

Nun geht es in der PR nicht um Kaufentscheidungen, sondern um Image. Wichtiger Faktor dafür ist die Glaubwürdigkeit. Auch dazu gab es interessante Untersuchungen: (Erfundene) Schlagzeilen wurden zunächst durch Versuchspersonen als entweder glaubwürdig oder unglaubwürdig eingestuft. Die jeweils glaub- bzw. unglaubwürdigsten (sowie zur Kontrolle mittlere Werte) wurden anschließend jeweils in verschiedene Kontexte eingebunden (unterschiedliche Printmedien) und von anderen Versuchpersonen erneut eingeschätzt. Es stellte sich heraus, dass nun vor allem der Kontext und nicht mehr der Inhalt für die Glaubwürdigkeit eine Rolle spielte. Hirnscans belegten zudem, dass die gefühlsmäßigen Entscheidungen bereits dann erfolgten, bevor überhaupt der Text zu Ende gelesen war.

Urteile zur Glaubwürdigkeit werden demnach weniger rational und bewusst, sondern emotional und unbewusst gefällt. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass ein Hirn bereits gelernt hat, welche Marke (im weitesten Sinn)  positiv besetzt, also vertrauenswürdig und gut ist. Der Mensch lernt durch Beobachtung und Erfahrung, folglich ist es Aufgabe der PR, für die”richtigen” Beobachtungen und Erfahrungen zu sorgen. Womit wir wieder bei unserem Lieblingsthema Social Media wären. Ein so umfassendes Netzwerk mit Meinungen, Empfehlungen, Beschwerden etc. außer Acht zu lassen, wäre nahezu sträflich.

Fazit: Schein ist wichtig, um überhaupt wahrgenommen zu werden und um im Idealfall direkt positive Emotionen auszulösen. In Bezug auf Unternehmen muss dieser Schein natürlich durch das tatsächliche Sein geprägt und damit autenthisch sein, nur dann lässt sich der Schein  - im positiven Sinne - auch (be) wahren.

Goldene Zwanziger?

Freitag, 03. September 2010

Es wird weiter viel geredet über Social Media und Co., so auch gestern beim media coffee von news aktuell in Köln. Thema war ”Kommunikation 2020 - Aufbruch in ein neues Informationszeitalter?”. So richtig in der Zukunft ankommen wollte die sehr unterhaltsam von Thomas Knüwer (kpunktnull) moderierte Veranstaltung allerdings nicht. Was vielleicht daran lag, dass das neue Informationszeitalter längst angebrochen ist und Kommunikation 2010 offensichtlich bereits ausreichend Gesprächsstoff bot.

Astrid von Rudloff (Weber Shandwick) freut sich auf ein “goldenes Zeitalter für die Kommunikation”, auch wenn sie persönlich, zumindest bisher, eher zu den Offlinern zu zählen ist. Weniger goldene Zeiten sehen Ibrahim Evsan (sevenload, United Prototype) und Prof. Peter Wippermann (Trendbüro) für Deutschland im Bereich technischer Innovationen und vor allem Investitionen - dank unserer traditionell kulturpessimistischen Einstellung sei der Anschluss an Spitzentechnologien bereits verpasst.

Ob die Kinder 2020 überhaupt noch die Handschrift beherrschten? Augenzwinkernd und mit einem eindeutigem Ja beantwortete Prof. Peter Wippermann diese Frage aus dem Publikum - schließlich seien Bildungseinrichtungen in Deutschland eher behäbig, ein so schneller Kulturwechsel also kaum vorstellbar. Angenommen jedoch, die Kinder könnten tatsächlich keine handschriftlichen Texte mehr verfassen - wäre das ein Verlust? Wären sie dümmer als die heutigen Kinder? Oder wären sie sogar intelligenter, weil sie komplexere Medien bedienen könnten?

Was auch immer 2020 sein wird - wir werden weder die technologische Entwicklung (die global ist und sich nicht durch nationale Kulturpessimisten schrecken lässt) noch die kommunikative Vernetzung aufhalten können. Also lassen wir uns am besten optimistisch und vor allem rechtzeitig darauf ein. Neues lernen hat schließlich noch nie geschadet.

… noch mehr Regeln – ein hilfloser Versuch

Freitag, 27. August 2010

Mit neuen Richtlinien für PR-Profis will der DRPR das Verhalten in digitalen Medien reglementieren.

Der Deutsche Rat für Public Relations hält es daher für erforderlich, die bestehenden Richtlinien und Kodizes um eine spezifische Richtlinie zur PR in digitalen Medien und Netzwerken zu ergänzen.

Unternehmen und Organisationen sollen ihr Online-Verhalten im Rahmen ihrer Corporate Governance schriftlich definieren und diese Verhaltensregeln veröffentlichen.

Ob das wirklich sinnvoll ist? Im Prinzip gelten im Netz die Regeln, die bereits für Print existieren. Gekaufte Redaktion ist unerwünscht und wird zu Recht gerügt. Aber das wissen wir durch die geltenden Richtlinien bereits. Das Argument, der Leser können nicht unterscheiden, wer sich im Auftrag (sprich: bezahlt) äußert und wer als Privatperson seine Meinung kund tut, lässt sich genauso für andere Bereiche anwenden. Es ist immer wichtig, die Quellen der Informationen zu kennen und zu bewerten. Ist ja schließlich auch ein Unterschied, ob ich ein Boulevardblatt oder die Wirtschaftspresse zu meiner Meinungsbildung nutze. Brauchen wir für das Internet nun wirklich neue Regeln?

Hinzu kommt, dass die Trennung zwischen privat und beruflich im Social Web nicht immer ganz einfach ist. Menschen äußern sich ausgesprochen viel privat im Social Web. Gespräche finden heute (zusätzlich) im Netz statt. Ich glaube kaum, dass man Menschen per Corporate Governance-Regeln verbieten kann, sich privat zu “ihrem” Unternehmen zu äußern. Ich kann die Erwartungshaltung von Unternehmen verstehen, dass zumindest die Menschen, die sie bezahlen, gemäß ihres Unternehmensleitbildes, ihrer Unternehmenskultur kommunizieren. Eine Verpflichtung, daraus Regeln (Corporate Governance) abzuleiten und veröffentlichen zu müssen, scheint mir doch überzogen und wirkt hilflos. Die meisten Unternehmen, die solche Richtlinien haben und die eine durchaus hilfreiche Orientierung darstellen können, stellen sie ohnehin freiwillig ins Netz.

Ein schönes Beispiel dafür hat Klaus Eck in seinem PR Blog gezeigt. Otto gibt seinen Mitarbeitern mit seinen Social Media Empfehlungen hilfreiche Tipps statt Anweisungen: 

 

Als Mitarbeiter/in haben Sie das Recht, sich privat und auch öffentlich über das Unternehmen zu äußern - positiv wie negativ. Wenn Sie dies tun, sollten Sie in Ihrem eigenen Interesse und aus Respekt gegenüber der Community möglichst deutlich machen, dass Sie nur aus Ihrer persönlichen Sicht schreiben.  

 

Und was ist eigentlich mit den Millionen von Fans, die auf Produkt- oder Unternehmens-Facebookseiten “I like” anklicken und damit die Chance haben, eine Produktprobe o.ä. zu erhalten. Machen die dann PR für das Produkt? Ist das Meinungsmache?

Viel gravierender finde ich es , wenn sich beispielsweise echte Meinungsmacher mit öffentlichem Auftrag zu Vorgängen äußern, die sie offensichtlich selbst noch nicht verstanden haben. Gemeint ist die Diskussion um Google Streetview, in die sich Politiker einschalten. Das ist Meinungsmache und das Argument des Persönlichkeitsschutzes führt an der eigentlich zu führenden Diskussion, nämlich der über die Marktmacht eines Unternehmens, deutlich vorbei.

 

 

Geo-Tracking

Freitag, 20. August 2010

Man ist unterwegs, kommt an einem Café vorbei und checkt mal eben per Smartphone, ob dieses empfehlenwert ist oder ob es in der Nähe vielleicht ein besseres gibt - eventuell ist sogar ein Freund ebenfalls gerade vor Ort. Keine Zukunftsmusik - dank Foursquare vor allem in großen Städten bereits Trend. Nun kommt zusätzlicher Auftrieb durch Facebook:

 ”Der Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook kann seinen Freunden künftig nicht nur schreiben, was er gerade macht. Er kann mit einem Klick („Check-in“) auf seinem Smartphone auch mitteilen, wo er ist – zum Beispiel in einer Bar. Und er erfährt mit einem Blick auf sein Handy, wo seine Freunde sind und was sie dort machen. Möglich macht dies der „Places“, ein neuer Dienst des Netzwerks, der auf GPS-Daten der Nutzer zugreift. Vorerst funktioniert er nur den USA. Später sollen alle 500 Millionen Facebook-Nutzer Zugang erhalten.” (Jürgen Stüber auf Welt Online am 19.08.2010)

 Wenn man mal von möglichen Bedenken bezüglich Datenschutz (big brother is watching you) absieht, stecken in dieser weiteren Dimension des globalen Netzwerkes ungeheure Chancen: Einerseits für den Nutzer selbst (schließlich bekommt er schnell und unproblematisch genau die auf seine aktuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Informationen), andererseits für das empfohlene Unternehmen. Dieses muss einfach nur “gut sein”, die PR erledigt im Idealfall - überspitzt gesagt - die Online-Community.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass Unternehmen negative Bewertungen zwingend vermeiden sollten. Public Relations bekommen einen noch größeren Stellenwert. Ein positives Bild kann nur vermittelt werden, wenn auch ein positiver Gehalt da ist. Zu kommunizieren “Wir sind für Sie da” bringt wenig, wenn der Smartphone-User von seinen Freunden erfährt, dass die Mitarbeiter des entsprechenden Unternehmens inkompetent und unfreundlich sind.

Kommunikationsverantwortliche werden die Aufgabe haben, eine “echte” Beziehung zu Kunden, Mitarbeitern und Partnern herzustellen. Und dazu werden sie sich wohl oder übel in die Fluten der sozialen Netzwerke stürzen müssen, um nicht den Anschluss zu verpassen. Sobald man dort einigermaßen tauchen gelernt hat, wird man feststellen, dass es eigentlich ganz prima ist, direkten Kontakt mit den anderen Tauchern zu haben - den einen kann man durch Flossen unterstützen, den anderen erfreut das Angebot einer Badehose, ein dritter möchte den Weg wissen, ein anderer warnt vor Schlingpflanzen und bei einem entschuldigt man sich für einen versehentlichen Tritt.

Social Media als schöne Unterwasserwelt? Warum nicht - die Vorstellung von Korallen, bunten Fischen, Muscheln und uralten Wracks ist doch allemal positiver als der Gedanke an einen unübersichtlichen Sumpf. Tauchen wir also ein, lernen wir die “User” dieser Welt kennen und schauen wir, was wir für diese tun können. 

 

 

Social Media – Kulturrevolution

Mittwoch, 11. August 2010

Soziale Netzwerke – nichts geht mehr ohne. Ein Medienhype. Dienstleister zu Social Media Monitoring, ehemals bekannt als Web-Monitoring, sprießen aus dem Boden. Einladungen zu Veranstaltungen zu facebook und Co. stapeln sich auf meinem Schreibtisch. Kaum eine Fachzeitschrift, in der das Thema nicht rauf und runter gespielt wird. Und was macht der Handel? Er steht in den Startlöchern! Immernoch! Natürlich nicht alle, es gibt auch vereinzelte gute Beispiele, sicher. Aber sie sind immer noch vereinzelt. Die meisten basteln noch an der Theorie dahinter. Überlegen sich, in welchen Bereich sie das in ihrem Unternehmen ansiedeln sollen (Marketing, PR, HR, IT?), obwohl das dem Kunden völlig egal ist. Sie denken über Richtlinien zum Verhalten im Social Web (Corporate Governance) nach und … hinken der neuen Art zu leben, zu denken und zu fühlen hinterher.

Sicher, die Auswirkungen der neuen Social Media Generation und der neuen Kultur sind groß. Hierachien in Unternehmen bröckeln, Kontrolle, die es ohnehin nur vermeintlich gab, verliert sich, Strategien zur Kundenansprache werden womöglich unbrauchbar. Und das nur, weil manche Menschen sich gern im Web austauschen? Falsch! Vielmehr tauscht sich der Mensch an sich gern aus. Wir sind nämlich soziale Wesen. Das waren wir schon immer. Und mit dem Social Web haben wir nun ganz unkompliziert die Möglichkeit, uns nahezu ständig auszutauschen – über Belangloses oder über Wichtiges, ganz egal. Es geht um Beziehungen, um soziale Kontakte. Es wird also wieder menschlich. Ganz einfach. Plumpe Werbebotschaften, die kommen im Social Web nicht gut an. Deshalb meinte Prof. Skibicki auch kürzlich, die Marketing- und PR-Experten sollten umschulen: Soziologen seien jetzt gefragt.

Es erübrigt sich also die Frage, ob man sich als Unternehmen oder Vertreter desselben auch im Web engagieren muss. Muss man natürlich nicht, wär aber besser. Wenn sich meine Kunden dort tummeln, und das tun sie sicher, dann sollte ich auch da sein. Und ich sollte sie ansprechen, eine Beziehung aufbauen. Wie im wirklichen Leben.

Soziale Kontakte ist das Zauberwort. Wir haben alle Freunde, enge und nicht so enge. Mit denen habe ich in unterschiedlicher Weise zu tun. Manche grüße ich nur freundlich, mit anderen habe ich mir mehr zu sagen. Ganz wie im Web. Übrigens gerade für die schwachen Bindungen eignen sich soziale Netzwerke, wie Thomas Knüwer in seinem Blog beschreibt. (Ich glaube übrigens das geht zurück auf eine Theorie (The strength of weak ties) aus der Soziologie von Mark Granovetter .) Diese lockeren Beziehungen könnten wir ohne Social Media nur schwerlich aufrecht erhalten. Wurfsendungen oder Pressemitteilungen sind dafür jedenfalls nicht ideal.

Ein Dorfplatz auf Reisen

Dienstag, 13. Juli 2010

Es ist heiß und die Gehirnzellen kämpfen gegen das Schmelzen an, geistreiche Texte sind heute zuviel verlangt. Viele Kollegen sind im Urlaub und ab morgen bin ich es auch. Dabei kam mir der Gedanke, dass man in Social Media Zeiten eigentlich nie so richtig weg ist (bzw. weg sein muss, man kann natürlich auch ein paar Wochen völlig offline bleiben). Vergleicht man das soziale Netzwerk mit dem “Dorfplatz” (als Sammelbegriff für einen Ort der Kommunikation einer Gemeinschaft) früherer Zeiten, fällt vor allem eines auf: Der Dorfplatz kommt mit auf die Reise.

Früher war man für ein paar Tage oder Wochen nicht vor Ort, eventuell schickte man eine nette Ansichtskarte, die die Vorzüge des Urlaubsziels pries. Weder wussten die anderen Besucher des Dorfplatzes, wie die Tage des Reisenden verliefen, noch wusste dieser, welche Neuigkeiten es in der Heimat gab (von gravierenden Ereignissen einmal abgesehen). Bei der Heimkehr gab es von beiden Seiten Erzählstoff. Da man man sich nicht jede Einzelheit der vergangenen Tage/Wochen gemerkt hatte, wurde manches ausgelassen, manches geschönt und manches übertrieben. Vieles hatte sich bereits relativiert.

Heute kann man ohne großen technischen Aufwand und ohne zusätzliches Gepäck während der gesamten Reise weiter auf seinen virtuellen Dorfplatz gehen. Informationen kommen direkt und ohne die Relativierung durch die Zeit bei den Empfängern an. Dadurch verpasst man nichts - zumindest nichts aus seinem sozialen Netzwerk. Manchmal kann es allerdings durchaus entspannend sein, einfach mal alles abzuschalten. Und genau das werde ich tun. Deshalb kommt jetzt eine blogfreie Ferienzeit bis Ende Juli, dann ist zumindest meine Kollegin wieder gut erholt und voller Ideen für die PR im Handel zurück.

Social Media: Es menschelt wieder

Mittwoch, 07. Juli 2010

Gestern bei der Veranstaltung der Consumer 2.0 der GS 1 (unserer Tochterfirma) habe ich Prof. Klemens Skibicki mit There is media in SocialMedia gehört. Klemens Skibicki hat das Talent, seine Zuhörer in ihre Studentenzeiten (oder ähnliches) zurück zu versetzen, weil er jeden sehr geschickt mit einbezieht (sogar dran nimmt … und “angestrengt weggucken nutzt gar nichts” ). Ich fühlte mich also so etwa wie im Hörsaal oder in der Schule. Dann wurde ich allerdings sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn: Ich bin kein Digital Native (und aus dem Studentenalter damit auch raus) und darum kann ich Social Media und die damit verdundenen neuen Denkweisen gar nicht verstehen, sagt Skibicki. Genauso wie seine Studenten gar nicht verstehen können, dass er sich überhaupt die Mühe macht, Menschen wie mir Social Media erklären zu wollen. Schließlich hat er es aber doch sehr eindrucksvoll versucht.

Social Media ist das, was es schon immer gab: Austausch, Gespräche, Empfehlungen. Social Media ist die Rückkehr zu mehr Menschlichkeit , wenn man so will, und basiert auf dem Prinzip, dass wir Menschen soziale Wesen sind. Wir teilen uns gern mit, erzählen, was wir gut finden und wir sind gern Teil einer Gruppe.  Auf facebook sind wir fans, wir teilen (share) oder empfehlen (like). TV ist in Social Media Youtube, Print sind die Blogs und Newsticker sind Twitter.

Im Netz geht alles rasant schnell. Das ist die eine Herausforderung. Die andere ist, dass wir neu denken lernen müssen. Es geht nicht mehr darum, mit riesiger Markenpräsenz auf sich aufmerksam zu machen. Botschaften penetrieren ist definitiv out! Vielmehr muss ich mit meiner Marke oder meinem Unternehmen Teil von Gruppen werden und ich muss von den anderen Menschen der Gruppe gemocht werden. Es geht also um Zwischenmenschliches, um Soziales. Darum meinte Klemens Skibicki sollten die alten Marketing-Experten umschulen … zu Psychologen oder Soziologen. Denn Anzeigen-Schalten im Netz sei im Wesentlichen sinnlos. Social-Media-Aktionen wie z.B. Jägermeister sie mit Hirschkulturerbe gemacht hat, als sie sich von ihren in die Jahre gekommenen Hirschen getrennt haben, kommen an. Kampagnen, an denen Menschen sich beteiligen können, machen aus Kunden Fans.

Für uns PR’ler sieht’s nicht ganz so schlimm aus, finde ich. Wir haben uns noch nie auf die Wirkkraft von Anzeigen verlassen. Aber ein Umdenken ist auch bei uns nötig. Wir müssen lernen, uns wieder auf Augenhöhe mit unseren Kunden, besser mit unseren Mitmenschen,  zu bewegen.

Digitale Identitäten

Montag, 28. Juni 2010

Wie sehe ich mich und wie möchte ich gesehen werden? Im Alltag ist diese Frage zwar nicht leicht, aber immerhin einigermaßen umfassend zu beantworten: Kleidung, Sprache, Freunde, Interessen, Verhalten usw. markieren unsere Identität. Ich beeinflusse selbst (manchmal durchaus unbewusst), in welcher Rolle ich wie gesehen werden möchte. Mit trendiger Klamotte demonstriert man jugendliche Coolheit, eine Mitgliedschaft im Kunstverein zeigt zumindest einen Ansatz von Intellektualität und das Engagement im Kindergarten lässt auf ein soziales Wesen schließen. Kurz gesagt, jeder verhält sich so, wie es zu seinen persönlichen Einstellungen passt, und hofft, sich anderen Menschen um ihn herum (am Arbeitsplatz, in der Familie, im Freundeskreis) entsprechend darstellen zu können.

Wie sieht das Ganze nun im virtuellen Raum aus? Auch das war ein Diskussionsthema beim Arbeitskreis letzte Woche. Im Social Web lässt es sich im Grunde agieren, ohne viel mehr als eine E-Mail-Adresse anzugeben. Nur - wer ist man dann? Mit wem sollen die anderen User Kontakt aufnehmen? Wenn man Teil einer Gemeinschaft sein möchte, muss man gewisse persönliche Daten preisgeben, um überhaupt ein Interesse für seine Person zu erlangen. Wenn man sich im Netz tummeln möchte, muss man neben seiner realen Identität eine digitale Identität aufbauen (die natürlich weitgehend identisch sein sollte), damit man auch dort ein “Standing” hat.

Ob man das möchte und wie das am besten zu bewerkstelligen ist, darüber lässt sich nach wie vor streiten. Mir persönlich erscheint es logisch, sich auch im Internet so zu “verkaufen” wie im realen Leben. Nichtsdestotrotz bleibt ein ungutes Gefühl, dass zu viel von einem selbst in einem weitgehend unbekannten Raum durch die Gegend schwirrt und eventuell von den “falschen” Leuten registriert wird. Das ist rein logisch natürlich Quatsch, denn auch im realen Leben hat es niemand in der Hand, wer ihn beobachtet. Und man muss schließlich nicht ALLES preisgeben - weder hier noch da.