Wie sehe ich mich und wie möchte ich gesehen werden? Im Alltag ist diese Frage zwar nicht leicht, aber immerhin einigermaßen umfassend zu beantworten: Kleidung, Sprache, Freunde, Interessen, Verhalten usw. markieren unsere Identität. Ich beeinflusse selbst (manchmal durchaus unbewusst), in welcher Rolle ich wie gesehen werden möchte. Mit trendiger Klamotte demonstriert man jugendliche Coolheit, eine Mitgliedschaft im Kunstverein zeigt zumindest einen Ansatz von Intellektualität und das Engagement im Kindergarten lässt auf ein soziales Wesen schließen. Kurz gesagt, jeder verhält sich so, wie es zu seinen persönlichen Einstellungen passt, und hofft, sich anderen Menschen um ihn herum (am Arbeitsplatz, in der Familie, im Freundeskreis) entsprechend darstellen zu können.
Wie sieht das Ganze nun im virtuellen Raum aus? Auch das war ein Diskussionsthema beim Arbeitskreis letzte Woche. Im Social Web lässt es sich im Grunde agieren, ohne viel mehr als eine E-Mail-Adresse anzugeben. Nur - wer ist man dann? Mit wem sollen die anderen User Kontakt aufnehmen? Wenn man Teil einer Gemeinschaft sein möchte, muss man gewisse persönliche Daten preisgeben, um überhaupt ein Interesse für seine Person zu erlangen. Wenn man sich im Netz tummeln möchte, muss man neben seiner realen Identität eine digitale Identität aufbauen (die natürlich weitgehend identisch sein sollte), damit man auch dort ein “Standing” hat.
Ob man das möchte und wie das am besten zu bewerkstelligen ist, darüber lässt sich nach wie vor streiten. Mir persönlich erscheint es logisch, sich auch im Internet so zu “verkaufen” wie im realen Leben. Nichtsdestotrotz bleibt ein ungutes Gefühl, dass zu viel von einem selbst in einem weitgehend unbekannten Raum durch die Gegend schwirrt und eventuell von den “falschen” Leuten registriert wird. Das ist rein logisch natürlich Quatsch, denn auch im realen Leben hat es niemand in der Hand, wer ihn beobachtet. Und man muss schließlich nicht ALLES preisgeben - weder hier noch da.