Wir haben eine neue Software bekommen, die eigentlich alles kann: Adressen verwalten, Projekte anlegen, Kampagnen managen, Rechnungen verschicken, Termine organisieren, Pressemitteilungen versenden und, und, und. Sie ist die perfekte Supersekretärin (oder meinetwegen politisch korrekt auch der Sekretär), die (der) nie müde wird, alle Daten im Kopf hat und auf Knopfdruck alle möglichen Zusammenhänge ausspucken kann. Theoretisch. Praktisch ist diese Topkraft natürlich zunächst auf Input angewiesen - und der muss von uns kommen. Nur wenn korrekte Daten eingegeben werden, können auch korrekte Daten ausgespuckt werden. Nur, wenn passende Schlagwörter vergeben werden, können diese auch gefunden werden. Bei einigen tausend Adressen hört sich das nach verdammt viel Arbeit an … und ist es auch. Wenn das erledigt ist, ist die neue Software wirklich toll.
Genauso toll, wie mein Handy, dass mich weckt, meine SMS speichert, mich an Geburtstage erinnert, Fotos macht und auch telefonieren kann. Es ist nicht mal ein Modell mit Online-Zugang. Man gewöhnt sich an den 24-Stunden-Service, jederzeit auf alle möglichen Daten und Fakten Zugriff zu haben.
Das erinnert mich wieder an unser Lieblingsthema Social Media: Wenn mich mitten in der Nacht die Lust packt, eine Waschmaschine zu kaufen, kann ich dieses nicht nur auf der Stelle bestellen, sondern ich kann auch offizielle Bewertungen einholen und mich zusätzlich durch die Erfahrungen aller möglicher Menschen arbeiten, die diese Maschine bereits besitzen. Natürlich kann ich auch das günstigste Angebot auswählen. Voraussetzung ist nur, dass ich weiß, WIE und WO ich WAS finden kann.
Ob ich das alles richtig gut finde, habe ich noch nicht entschieden. Das, was früher in meinem Kopf war, ist jetzt irgendwo auf einer Speicherkarte oder im World Wide Web. Das, was jetzt in meinem Kopf ist, sind die ”Links” zur Speicherkarte oder ins Netz (okay, ein paar andere Dinge sind schon auch noch darin … zum Beispiel jede Menge Passwörter und PINs). Vorteil ist, dass ich im Netz (sei es intern oder extern) nicht nur auf das, was mal in meinem Kopf war, zugreifen kann, sondern auch auf die “Köpfe” jeder Menge anderer Menschen. Das macht mich möglicherweise schlauer.
Ein weiterer Vorteil ist das Finden von Daten/Fakten auf Knopfdruck - das ist und war mit dem Zugang zur “Datensammlung” in meinem Kopf meistens nicht so leicht. Wahrscheinlich ist das Outsourcing individueller Hirninhalte doch ganz gut - man muss sich nur daran gewöhnen. Und in Bezug auf Public Relations ist der teilweise öffentliche Zugang in die outgesourcten Hirnwindungen der Menschen nahezu genial: Wir erfahren aus erster Hand, was Zielgruppen wirklich bewegt.
… Genug abgeschweift. Jetzt muss ich wieder unsere neue Topkraft unterstützen und sie mit Input füttern, auf dass sie zukünftig mein Arbeitsleben so leicht wie möglich gestalte.