Social Media – Kulturrevolution

von Ute Holtmann

Soziale Netzwerke – nichts geht mehr ohne. Ein Medienhype. Dienstleister zu Social Media Monitoring, ehemals bekannt als Web-Monitoring, sprießen aus dem Boden. Einladungen zu Veranstaltungen zu facebook und Co. stapeln sich auf meinem Schreibtisch. Kaum eine Fachzeitschrift, in der das Thema nicht rauf und runter gespielt wird. Und was macht der Handel? Er steht in den Startlöchern! Immernoch! Natürlich nicht alle, es gibt auch vereinzelte gute Beispiele, sicher. Aber sie sind immer noch vereinzelt. Die meisten basteln noch an der Theorie dahinter. Überlegen sich, in welchen Bereich sie das in ihrem Unternehmen ansiedeln sollen (Marketing, PR, HR, IT?), obwohl das dem Kunden völlig egal ist. Sie denken über Richtlinien zum Verhalten im Social Web (Corporate Governance) nach und … hinken der neuen Art zu leben, zu denken und zu fühlen hinterher.

Sicher, die Auswirkungen der neuen Social Media Generation und der neuen Kultur sind groß. Hierachien in Unternehmen bröckeln, Kontrolle, die es ohnehin nur vermeintlich gab, verliert sich, Strategien zur Kundenansprache werden womöglich unbrauchbar. Und das nur, weil manche Menschen sich gern im Web austauschen? Falsch! Vielmehr tauscht sich der Mensch an sich gern aus. Wir sind nämlich soziale Wesen. Das waren wir schon immer. Und mit dem Social Web haben wir nun ganz unkompliziert die Möglichkeit, uns nahezu ständig auszutauschen – über Belangloses oder über Wichtiges, ganz egal. Es geht um Beziehungen, um soziale Kontakte. Es wird also wieder menschlich. Ganz einfach. Plumpe Werbebotschaften, die kommen im Social Web nicht gut an. Deshalb meinte Prof. Skibicki auch kürzlich, die Marketing- und PR-Experten sollten umschulen: Soziologen seien jetzt gefragt.

Es erübrigt sich also die Frage, ob man sich als Unternehmen oder Vertreter desselben auch im Web engagieren muss. Muss man natürlich nicht, wär aber besser. Wenn sich meine Kunden dort tummeln, und das tun sie sicher, dann sollte ich auch da sein. Und ich sollte sie ansprechen, eine Beziehung aufbauen. Wie im wirklichen Leben.

Soziale Kontakte ist das Zauberwort. Wir haben alle Freunde, enge und nicht so enge. Mit denen habe ich in unterschiedlicher Weise zu tun. Manche grüße ich nur freundlich, mit anderen habe ich mir mehr zu sagen. Ganz wie im Web. Übrigens gerade für die schwachen Bindungen eignen sich soziale Netzwerke, wie Thomas Knüwer in seinem Blog beschreibt. (Ich glaube übrigens das geht zurück auf eine Theorie (The strength of weak ties) aus der Soziologie von Mark Granovetter .) Diese lockeren Beziehungen könnten wir ohne Social Media nur schwerlich aufrecht erhalten. Wurfsendungen oder Pressemitteilungen sind dafür jedenfalls nicht ideal.

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