Ein Dorfplatz auf Reisen

von Ulrike Witt

Es ist heiß und die Gehirnzellen kämpfen gegen das Schmelzen an, geistreiche Texte sind heute zuviel verlangt. Viele Kollegen sind im Urlaub und ab morgen bin ich es auch. Dabei kam mir der Gedanke, dass man in Social Media Zeiten eigentlich nie so richtig weg ist (bzw. weg sein muss, man kann natürlich auch ein paar Wochen völlig offline bleiben). Vergleicht man das soziale Netzwerk mit dem “Dorfplatz” (als Sammelbegriff für einen Ort der Kommunikation einer Gemeinschaft) früherer Zeiten, fällt vor allem eines auf: Der Dorfplatz kommt mit auf die Reise.

Früher war man für ein paar Tage oder Wochen nicht vor Ort, eventuell schickte man eine nette Ansichtskarte, die die Vorzüge des Urlaubsziels pries. Weder wussten die anderen Besucher des Dorfplatzes, wie die Tage des Reisenden verliefen, noch wusste dieser, welche Neuigkeiten es in der Heimat gab (von gravierenden Ereignissen einmal abgesehen). Bei der Heimkehr gab es von beiden Seiten Erzählstoff. Da man man sich nicht jede Einzelheit der vergangenen Tage/Wochen gemerkt hatte, wurde manches ausgelassen, manches geschönt und manches übertrieben. Vieles hatte sich bereits relativiert.

Heute kann man ohne großen technischen Aufwand und ohne zusätzliches Gepäck während der gesamten Reise weiter auf seinen virtuellen Dorfplatz gehen. Informationen kommen direkt und ohne die Relativierung durch die Zeit bei den Empfängern an. Dadurch verpasst man nichts - zumindest nichts aus seinem sozialen Netzwerk. Manchmal kann es allerdings durchaus entspannend sein, einfach mal alles abzuschalten. Und genau das werde ich tun. Deshalb kommt jetzt eine blogfreie Ferienzeit bis Ende Juli, dann ist zumindest meine Kollegin wieder gut erholt und voller Ideen für die PR im Handel zurück.

Tags: , , ,

Eine Antwort hinterlassen