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Ein Dorfplatz auf Reisen

13. Juli 2010 von Ulrike Witt

Es ist heiß und die Gehirnzellen kämpfen gegen das Schmelzen an, geistreiche Texte sind heute zuviel verlangt. Viele Kollegen sind im Urlaub und ab morgen bin ich es auch. Dabei kam mir der Gedanke, dass man in Social Media Zeiten eigentlich nie so richtig weg ist (bzw. weg sein muss, man kann natürlich auch ein paar Wochen völlig offline bleiben). Vergleicht man das soziale Netzwerk mit dem “Dorfplatz” (als Sammelbegriff für einen Ort der Kommunikation einer Gemeinschaft) früherer Zeiten, fällt vor allem eines auf: Der Dorfplatz kommt mit auf die Reise.

Früher war man für ein paar Tage oder Wochen nicht vor Ort, eventuell schickte man eine nette Ansichtskarte, die die Vorzüge des Urlaubsziels pries. Weder wussten die anderen Besucher des Dorfplatzes, wie die Tage des Reisenden verliefen, noch wusste dieser, welche Neuigkeiten es in der Heimat gab (von gravierenden Ereignissen einmal abgesehen). Bei der Heimkehr gab es von beiden Seiten Erzählstoff. Da man man sich nicht jede Einzelheit der vergangenen Tage/Wochen gemerkt hatte, wurde manches ausgelassen, manches geschönt und manches übertrieben. Vieles hatte sich bereits relativiert.

Heute kann man ohne großen technischen Aufwand und ohne zusätzliches Gepäck während der gesamten Reise weiter auf seinen virtuellen Dorfplatz gehen. Informationen kommen direkt und ohne die Relativierung durch die Zeit bei den Empfängern an. Dadurch verpasst man nichts - zumindest nichts aus seinem sozialen Netzwerk. Manchmal kann es allerdings durchaus entspannend sein, einfach mal alles abzuschalten. Und genau das werde ich tun. Deshalb kommt jetzt eine blogfreie Ferienzeit bis Ende Juli, dann ist zumindest meine Kollegin wieder gut erholt und voller Ideen für die PR im Handel zurück.

Social Media: Es menschelt wieder

07. Juli 2010 von Ute Holtmann

Gestern bei der Veranstaltung der Consumer 2.0 der GS 1 (unserer Tochterfirma) habe ich Prof. Klemens Skibicki mit There is media in SocialMedia gehört. Klemens Skibicki hat das Talent, seine Zuhörer in ihre Studentenzeiten (oder ähnliches) zurück zu versetzen, weil er jeden sehr geschickt mit einbezieht (sogar dran nimmt … und “angestrengt weggucken nutzt gar nichts” ). Ich fühlte mich also so etwa wie im Hörsaal oder in der Schule. Dann wurde ich allerdings sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn: Ich bin kein Digital Native (und aus dem Studentenalter damit auch raus) und darum kann ich Social Media und die damit verdundenen neuen Denkweisen gar nicht verstehen, sagt Skibicki. Genauso wie seine Studenten gar nicht verstehen können, dass er sich überhaupt die Mühe macht, Menschen wie mir Social Media erklären zu wollen. Schließlich hat er es aber doch sehr eindrucksvoll versucht.

Social Media ist das, was es schon immer gab: Austausch, Gespräche, Empfehlungen. Social Media ist die Rückkehr zu mehr Menschlichkeit , wenn man so will, und basiert auf dem Prinzip, dass wir Menschen soziale Wesen sind. Wir teilen uns gern mit, erzählen, was wir gut finden und wir sind gern Teil einer Gruppe.  Auf facebook sind wir fans, wir teilen (share) oder empfehlen (like). TV ist in Social Media Youtube, Print sind die Blogs und Newsticker sind Twitter.

Im Netz geht alles rasant schnell. Das ist die eine Herausforderung. Die andere ist, dass wir neu denken lernen müssen. Es geht nicht mehr darum, mit riesiger Markenpräsenz auf sich aufmerksam zu machen. Botschaften penetrieren ist definitiv out! Vielmehr muss ich mit meiner Marke oder meinem Unternehmen Teil von Gruppen werden und ich muss von den anderen Menschen der Gruppe gemocht werden. Es geht also um Zwischenmenschliches, um Soziales. Darum meinte Klemens Skibicki sollten die alten Marketing-Experten umschulen … zu Psychologen oder Soziologen. Denn Anzeigen-Schalten im Netz sei im Wesentlichen sinnlos. Social-Media-Aktionen wie z.B. Jägermeister sie mit Hirschkulturerbe gemacht hat, als sie sich von ihren in die Jahre gekommenen Hirschen getrennt haben, kommen an. Kampagnen, an denen Menschen sich beteiligen können, machen aus Kunden Fans.

Für uns PR’ler sieht’s nicht ganz so schlimm aus, finde ich. Wir haben uns noch nie auf die Wirkkraft von Anzeigen verlassen. Aber ein Umdenken ist auch bei uns nötig. Wir müssen lernen, uns wieder auf Augenhöhe mit unseren Kunden, besser mit unseren Mitmenschen,  zu bewegen.

Digitale Identitäten

28. Juni 2010 von Ulrike Witt

Wie sehe ich mich und wie möchte ich gesehen werden? Im Alltag ist diese Frage zwar nicht leicht, aber immerhin einigermaßen umfassend zu beantworten: Kleidung, Sprache, Freunde, Interessen, Verhalten usw. markieren unsere Identität. Ich beeinflusse selbst (manchmal durchaus unbewusst), in welcher Rolle ich wie gesehen werden möchte. Mit trendiger Klamotte demonstriert man jugendliche Coolheit, eine Mitgliedschaft im Kunstverein zeigt zumindest einen Ansatz von Intellektualität und das Engagement im Kindergarten lässt auf ein soziales Wesen schließen. Kurz gesagt, jeder verhält sich so, wie es zu seinen persönlichen Einstellungen passt, und hofft, sich anderen Menschen um ihn herum (am Arbeitsplatz, in der Familie, im Freundeskreis) entsprechend darstellen zu können.

Wie sieht das Ganze nun im virtuellen Raum aus? Auch das war ein Diskussionsthema beim Arbeitskreis letzte Woche. Im Social Web lässt es sich im Grunde agieren, ohne viel mehr als eine E-Mail-Adresse anzugeben. Nur - wer ist man dann? Mit wem sollen die anderen User Kontakt aufnehmen? Wenn man Teil einer Gemeinschaft sein möchte, muss man gewisse persönliche Daten preisgeben, um überhaupt ein Interesse für seine Person zu erlangen. Wenn man sich im Netz tummeln möchte, muss man neben seiner realen Identität eine digitale Identität aufbauen (die natürlich weitgehend identisch sein sollte), damit man auch dort ein “Standing” hat.

Ob man das möchte und wie das am besten zu bewerkstelligen ist, darüber lässt sich nach wie vor streiten. Mir persönlich erscheint es logisch, sich auch im Internet so zu “verkaufen” wie im realen Leben. Nichtsdestotrotz bleibt ein ungutes Gefühl, dass zu viel von einem selbst in einem weitgehend unbekannten Raum durch die Gegend schwirrt und eventuell von den “falschen” Leuten registriert wird. Das ist rein logisch natürlich Quatsch, denn auch im realen Leben hat es niemand in der Hand, wer ihn beobachtet. Und man muss schließlich nicht ALLES preisgeben - weder hier noch da.

Wer soll das bezahlen …

25. Juni 2010 von Ulrike Witt

… und wer hat soviel Zeit? Diese und andere Fragen stellten sich die Teilnehmer bei unserem Arbeitskreis letzten Dienstag zum Thema Social Media. Nach einem spannenden Vortrag von Dieter Rappold ( vi knallgrau) fand ein reger Austausch eigener Erfahrungen zwischen den Kommunikationsverantwortlichen von The Phone House, BVH, Intersport, Iglo, Bünting, Rewe, Nestlé, Coca Cola, IBM und Henkel statt.

Fazit der Veranstaltung war: Die Unternehmen stehen vor einer riesigen Herausforderung, die alle Beteiligten mit unterschiedlich großen Schritten angehen wollen, können oder müssen - sofern sie nicht schon längst auf dem Weg sind. Einig waren sich alle, dass der erste Schritt auf jeden Fall Zuhören, Lernen, Verstehen sein sollte.  Und dann kann der Sprung ins kalte Wasser gewagt werden. 

Wir bleiben in jedem Fall dran am Thema und greifen gerne den Vorschlag auf, beim nächsten Arbeitskreis detaillierte Aspekte zu behandeln, einen Workshop anzubieten oder weitere Inputs zur besseren Bewältigung der zukünftigen Ansprüche an die Kommunikation bereit zu stellen.

Fußball für alle

21. Juni 2010 von Ulrike Witt

Dass Mitarbeiter  als Botschafter ihres Unternehmens eine wichtige Rolle spielen, ist bekannt, nach unserer aktuellen PR-Studie wird die interne Kommunikation zukünftig sogar noch weiter an Bedeutung gewinnen. Klar - in Zeiten von Social Media ist der Radius dieser Botschafter immens weit: Gut also, wenn Mitarbeiter hinter ihrem Unternehmen stehen, ernst genommen und informiert werden. Noch besser, wenn sie sich auch sozial wohl fühlen - schließlich investiert der Mensch seine Arbeitskraft lieber in etwas, als dessen Teil er sich empfindet,  als in ein Unternehmen, das er - überhöht gesagt - schlimmstenfalls als Feind betrachtet.

In diesen Tagen hört oder liest man immer wieder von schönen Beispielen, wie Mitarbeiter als Menschen mit sozialen Bedürfnissen und weniger als reine Arbeitskräfte betrachtet werden - die WM 2010 macht’s möglich. Ein Deutschlandspiel mitten am Tag und nicht jeder kann einfach Urlaub nehmen, aber viele können trotzdem vor dem Bildschirm dabei sein: Für 90 Minuten ruht vielerorts die Arbeit und die Belegschaft trifft sich im Besprechungsraum, der Küche, der Kantine - toleriert oder sogar initiiert von der Geschäftsführung.

Das scheint in Betrieben wie einer Werbeagentur nicht so schwierig, die Arbeit wird dann eben später erledigt. Es gibt aber auch Beispiele von kleineren Fabriken, wo die Maschinen kurzzeitig still stehen und sogar von Krankenhäusern, in denen der alltägliche Stress für 90 Minuten beiseite geschoben wird. Noch besser, wenn aus dem Fußball-Event direkt ein kleines Firmen-Event mit Grillwürstchen und Co. wird.

Unser Chef hatte zum “Corporate Viewing” anlässlich des Spiels Deutschland gegen Serbien beispielsweise in den Biergarten eingeladen, die Belegschaft vorher mit Brötchen und Frikadellen, später mit Getränken versorgt. Die PR-Abteilung - also wir - hatte die ehrenvolle (und aufgrund der Witterung ziemlich kühle) Aufgabe, bereits zweieinhalb Stunden vor Anpfiff die Plätze für weitere etwa 20 EHI-ler freizuhalten. Es hat sich gelohnt, auch wenn wir trotz intensiver Bemühungen nicht für mehr Tore (für Deutschland) und dementsprechend nicht für noch bessere Stimmung sorgen konnten. Die war aber auch unabhängig vom Ergebnis sehr gut, man muss ja - wie man in Köln so schön sagt - auch gönnen können, schließlich haben wir eine serbische Kollegin. Die Teilnahme am Fußball-Event war natürlich freiwillig, kein Mitarbeiter wurde gezwungen, dem Fußball oder dem Aufenthalt im Freien bei fast schon herbstlichen Temperaturen etwas abzugewinnen. Kleine Randbemerkung zum Schluss: Laut einer Exklusivstudie für manager magazin dürfen 30 Prozent (nur oder immerhin - das bleibt hier die Frage) der Angestellten und Arbeiter die Arbeit zum Fußballgucken unterbrechen.

Outsourcing von Hirn

28. Mai 2010 von Ulrike Witt

Wir haben eine neue Software bekommen, die eigentlich alles kann: Adressen verwalten, Projekte anlegen, Kampagnen managen, Rechnungen verschicken, Termine organisieren, Pressemitteilungen versenden und, und, und. Sie ist die perfekte Supersekretärin (oder meinetwegen politisch korrekt auch der Sekretär), die (der) nie müde wird, alle Daten im Kopf hat und auf Knopfdruck alle möglichen Zusammenhänge ausspucken kann. Theoretisch. Praktisch ist diese Topkraft natürlich zunächst auf Input angewiesen - und der muss von uns kommen. Nur wenn korrekte Daten eingegeben werden, können auch korrekte Daten ausgespuckt werden. Nur, wenn passende Schlagwörter vergeben werden, können diese auch gefunden werden. Bei einigen tausend Adressen hört sich das nach verdammt viel Arbeit an … und ist es auch. Wenn das erledigt ist, ist die neue Software wirklich toll.

Genauso toll, wie mein Handy, dass mich weckt, meine SMS speichert, mich an Geburtstage erinnert, Fotos macht und auch telefonieren kann. Es ist nicht mal ein Modell mit Online-Zugang. Man gewöhnt sich an den 24-Stunden-Service, jederzeit auf alle möglichen Daten und Fakten Zugriff zu haben.

Das erinnert mich wieder an unser Lieblingsthema Social Media: Wenn mich mitten in der Nacht die Lust packt, eine Waschmaschine zu kaufen, kann ich dieses nicht nur auf der Stelle bestellen, sondern ich kann auch offizielle Bewertungen einholen und mich zusätzlich durch die Erfahrungen aller möglicher Menschen arbeiten, die diese Maschine bereits besitzen. Natürlich kann ich auch das günstigste Angebot auswählen. Voraussetzung ist nur, dass ich weiß, WIE und WO ich WAS finden kann.

Ob ich das alles richtig gut finde, habe ich noch nicht entschieden. Das, was früher in meinem Kopf war, ist jetzt irgendwo auf einer Speicherkarte oder im World Wide Web. Das, was jetzt in meinem Kopf ist, sind die ”Links” zur Speicherkarte oder ins Netz (okay, ein paar andere Dinge sind schon auch noch darin … zum Beispiel jede Menge Passwörter und PINs). Vorteil ist, dass ich im Netz (sei es intern oder extern) nicht nur auf das, was mal in meinem Kopf war, zugreifen kann, sondern auch auf die “Köpfe” jeder Menge anderer Menschen. Das macht mich möglicherweise schlauer.

Ein weiterer Vorteil ist das Finden von Daten/Fakten auf Knopfdruck - das ist und war mit dem Zugang zur “Datensammlung” in meinem Kopf meistens nicht so leicht. Wahrscheinlich ist das Outsourcing individueller Hirninhalte doch ganz gut - man muss sich nur daran gewöhnen. Und in Bezug auf Public Relations ist der teilweise öffentliche Zugang in die outgesourcten Hirnwindungen der Menschen nahezu genial: Wir erfahren aus erster Hand, was Zielgruppen wirklich bewegt.

… Genug abgeschweift. Jetzt muss ich wieder unsere neue Topkraft unterstützen und sie mit Input füttern, auf dass sie zukünftig mein Arbeitsleben so leicht wie möglich gestalte.

Im Dialog

21. Mai 2010 von Ulrike Witt

Dialog statt Einwegkommunikation ist das Motto der Zukunft - darin waren sich beim PR-Kongress die Kommunikationsprofis einig. Doch was ist konkret zu tun? Darüber diskutieren wir im Juni mit den Teilnehmern unseres nächsten Arbeitskreises “PR in der Handelsbranche”. Über die Risiken von Social Media wurde bereits einiges gesagt, nun wollen wir die Chancen in den Fokus rücken: Wie können soziale Medien sinnvoll in die Öffentlichkeitsarbeit integriert und welche sozialen Plattformen sollten beachtet werden, wie findet man sich im neuen Kommunikationsdschungel zurecht, welche Nutzung von Social Media ist wirklich effektiv?  Zur Unterstützung haben wir einen Fachmann eingeladen. Dieter Rappold, Mitgründer und Geschäftsführer von vi knallgrau, ist Profi im Bereich soziale Medien und bereichert den Arbeitskreis mit seinen Erfahrungen aus der Praxis. Stürzen wir uns also ins bunte Treiben im Netz und freuen uns auf neue Möglichkeiten der Kommunikation.

Ins Herz geschlossen

18. Mai 2010 von Ute Holtmann

… titelt der Pressesprecher 03/2010 auf dem Cover. Unternehmen entdeckten ihre Mitarbeiter als Zielgruppe. Das klingt ja fast ein bisschen erschreckend. Unternehmen entdecken ihre Mitarbeiter – tun sie das wirklich erst jetzt?! Allerdings: auch im Handel rücken die eigenen Mitarbeiter stärker in den Fokus der Kommunikation. Das haben uns jedenfalls die  Handelsunternehmen verraten, die wir in unserer  PR-Studie 2010 befragt haben. Das liegt einerseits an der Erkenntnis, dass die eigenen Mitarbeiter die besten Botschafter des Unternehmens sein können. Andererseits führen wir diese Fokussierung auch auf die angespannte Wirtschaftslage im letzten Jahr zurück. In unsicheren Zeiten ist eine intensivere Information nötig, besonders die eigenen Mitarbeiter möchten wissen, was los ist, ob ihre Arbeitsplätze sicher sind.

Eigentlich schade, dass es dazu einer Krise bedarf. Die interne Kommunikation ist tatsächlich das Herz der Öffentlichkeitsarbeit.

Von Public Relations zu Public Conversation

12. Mai 2010 von Ute Holtmann

Der hier viel besprochene PR-Kongress “In aller Öffentlichkeit – PR 2010: vernetzt, mobil, vielseitig” liegt nun schon drei Wochen zurück. Wir haben uns über zahlreiches positives Feedback gefreut und uns sogleich an die Nachbereitung gemacht. Nun ist alles erledigt – die Presse wurde bedient, bei den Referenten und Teilnehmern haben wir uns bedankt und die Studieteilnehmer haben wir auch gewürdigt. Dann haben  wir uns in neue Projekte gestürzt.  Andere EHI-Projekte wollen kommuniziert werden, das nächste Arbeitskreis-Treffen PR will vorbereitet sein usw.

Und dann haben wir gemerkt, dass wir, entgegen unseres Versprechens, die Ergebnisse der Studie hier gar berichtet haben. Das möchten wir nachholen, hier die Kernergebnisse:

Öffentlichkeitsarbeit ist wesentlich am Erfolg von Handelsunternehmen beteiligt, so behaupten deren PR-Verantwortliche – und sie erhalten Bestätigung von höchster Instanz. Die meisten Geschäftsführer des Handels wissen um den großen Beitrag der PR zur Erreichung der Unternehmensziele. Allerdings sind sich die Geschäftsführer und PR-Profis nicht in allen Punkten einig. Beim Thema Web 2.0 hinken die PR-Abteilungen den Vorstellungen der Führungsriege ein wenig hinterher. Nachhaltigkeit war und bleibt ein Top-Thema der Kommunikation im Handel.

In der neuen Studie des EHI wurden die Kommunikationsverantwortlichen des Handels zu Bedeutung, Strategie sowie Themen und Trends der Public Relations befragt. Einige ausgesuchte Fragen der Gesamtstudie hat das EHI auch an die Geschäftsführer der Handelsunternehmen gerichtet.

PR ist nicht nur Image
Fast alle befragten PR-Profis sind der Meinung, dass die Öffentlichkeitsarbeit viel (45 Prozent) bzw. sehr viel (48 Prozent) zur Umsetzung der Unternehmensziele beiträgt. Diese nicht überraschende Selbsteinschätzung wurde von fast zwei Dritteln der Geschäftsführer gestützt. Gefragt nach den wichtigsten Zielen der PR-Arbeit sehen knapp 40 Prozent der PR-Profis neben dem Image den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. Das liegt nahe an der Einschätzung der Geschäftsführer, von denen außerdem rund ein Drittel der Ansicht ist, dass die PR einen großen bzw. sehr großen Beitrag zur Umsetzung dieses Ziels leistet.

PR-Budgets sind krisenfest
Trotz der angespannten Wirtschaftslage kann die PR über stabile oder sogar steigende Budgets verfügen. Rund 90 Prozent der Unternehmenskommunikatoren hatten in 2009 im Vergleich zum Vorjahr mehr oder zumindest gleich viel Geld für die Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung. Bei 28 Prozent der Unternehmen beliefen sich die Mehrausgaben in diesem Zeitraum auf bis zu zehn Prozent, rund zehn Prozent der Befragten konnte sogar von Steigerungen der Budgets um mehr als zehn Prozent profitieren. Die wirtschaftliche Lage hat also bisher keine negativen Auswirkungen auf die Budgets, verlangt aber eine inhaltliche Veränderung der PR-Arbeit. 70 Prozent der PR-Verantwortlichen sehen einen deutlich erhöhten Informationsbedarf der verschiedenen Zielgruppen.

PR wirkt nachhaltig
Nachhaltigkeit ist nach wie vor eines der wichtigsten Themen der Kommunikation des Handels. Besonders die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit werden in den nächsten zwei Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen. 86 Prozent sehen hier das Top-Thema ihrer Arbeit. Ziel der Nachhaltigkeitskommunikation ist eine klare Positionierung als sozial bzw. ökologisch verantwortliches Unternehmen. Dazu gehört auch, dass drei Viertel der Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsansprüche an ihre Lieferanten weitergeben.

PR im Web 2.0 polarisiert
Über 40 Prozent der PR-Profis haben noch keine eindeutige Vorstellung von der künftigen Bedeutung von Web 2.0/Social Media für die Kommunikation ihres Unternehmens. Da sind die Geschäftsführer deutlich entschlossener, nur ein Viertel hat hierzu noch keine konkrete Meinung. 65 Prozent der Geschäftsführer messen Web 2.0/Social Media eine selbstverständliche oder sogar große Bedeutung im Portfolio der PR-Instrumente zu. Nur wenige glauben an eine untergeordnete Rolle von Web 2.0/Social Media. Im Gegensatz hierzu zeigen die Kommunikationsbeauftragten ein deutlich uneinheitlicheres Bild: Für 24 Prozent von ihnen wird Web 2.0/Social Media ein Instrument unter vielen sein, 21 Prozent messen dem noch recht neuen Medium eine zentrale Rolle zu und 14 Prozent halten es für unbedeutend für die Kommunikation ihres Unternehmens.

Datenbasis
An der Gesamtbefragung haben sich 38 Handelsunternehmen beteiligt, die insgesamt knapp 35.000 Verkaufsstellen im deutschsprachigen Einzelhandel betreiben und einen Nettoumsatz von rund 140 Mrd. Euro erwirtschaften. Das entspricht einem guten Viertel des Gesamtumsatzes des deutschsprachigen Einzelhandelsumsatzes (D-A-CH). In Deutschland repräsentieren die Teilnehmer gut 30 Prozent des Einzelhandels (im engeren Sinne). Unter den Teilnehmern sind mehr als ein Drittel der Top 20 Einzelhändler in Deutschland.
Die Geschäftsführerbefragung wurde von 57 Unternehmen unterstützt. Der Nettoumsatz der teilnehmenden Unternehmen aus Deutschland entspricht nahezu der Hälfte (46 Prozent) des Gesamtumsatzes des deutschen Einzelhandels. Unter den Teilnehmern befinden sich 40 Prozent der Top 20 deutscher Einzelhändler.

Mächtig vernetzt

05. Mai 2010 von Ulrike Witt

Social Media war eines der Hauptthemen beim Kongress - einig war man sich im großen und ganzen, dass man den direkten und interaktiven Kontakt mit Zielgruppen, Communities und Co. nicht mehr ignorieren sollte und dass Abwarten möglicherweise die falsche Strategie ist. Was allerdings genau zu tun ist, wie man diese neuen Herausforderungen in den Unternehmen angehen bzw. bewältigen kann oder muss, bleibt schwierig zu beantworten. Der Handel - und speziell die Kommunikationsverantwortlichen des Handels - ist bzw. sind auf einer Art Expedition in unbekanntes Gelände unterwegs. Mancher mutig im Sinne von “Learning by doing” voran, manche zögerlicher und erst einmal Ausrüstung beschaffend hinterher. Vermutlich erkennen wir bereits bei unserem nächsten PR-Kongress in einem Jahr eine deutliche Entwicklung. Das ist ziemlich spannend und gerade für ein Forschungsinstitut natürlich ideal, hautnah derartig schnelle Prozesse verfolgen zu können. Empfohlen zu diesem Thema sei auch das Buch von Tim ColeUnternehmen 2020“. Es geht um all die angesprochenen Aspekte der neuen vernetzten Welt wie Kundenmacht, Mobilität, Reputation, Loyalität, Vertrauen, die Mitarbeiter von morgen und noch sehr vieles mehr - ein umfassender Überblick mit positivem Grundtenor vor allem für Mittelständler.